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Ratgeber

Pflegegrad 4: Punkte, Leistungen 2026 und Steuervorteile

Pflegegrad 4 gilt ab 70 bis unter 90 Punkten. Welche Leistungen 2026 zustehen, von 800 Euro Pflegegeld bis 1.855 Euro im Pflegeheim, warum Pflegegrad 4 bei der Steuer wie das Merkzeichen H zählt und was der Entwurf für 2027 vorsieht.

Stand: 4. November 2026

Illustration: Klemmbrett mit fünf Stufenbalken, die ersten vier gefüllt
Das Wichtigste in Kürze
  • Pflegegrad 4 gilt ab 70 bis unter 90 Punkten und bedeutet laut Gesetz schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit.
  • Die Leistungen 2026: 800 Euro Pflegegeld oder bis 1.859 Euro Pflegesachleistung im Monat, dazu bis 1.685 Euro Tagespflege und 131 Euro Entlastungsbetrag.
  • Bei der Einkommensteuer steht Pflegegrad 4 dem Merkzeichen H gleich: 7.400 Euro Pauschbetrag und 4.500 Euro Fahrtkostenpauschale.
  • Krankenfahrten zur ambulanten Behandlung gelten als genehmigt. Seit 2026 ist der Beratungsbesuch nur noch halbjährlich Pflicht.

Pflegegrad 4 bedeutet laut Gesetz „schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“ (§ 15 Abs. 3 SGB XI). Wer ihn hat, braucht in mehreren Bereichen des Alltags Hilfe. Gegenüber Pflegegrad 3 steigen die Leistungen, und es kommen Vorteile bei der Steuer und bei Krankenfahrten hinzu.

Ab wie vielen Punkten Pflegegrad 4 gilt

Pflegegrad 4 bekommen Sie mit 70 bis unter 90 Gesamtpunkten. Die Punkte vergibt der Medizinische Dienst in sechs Bereichen mit fester Gewichtung: Mobilität 10 Prozent, geistige Fähigkeiten oder Verhalten 15 Prozent, Selbstversorgung 40 Prozent, Umgang mit Krankheit und Therapie 20 Prozent, Alltag und soziale Kontakte 15 Prozent. Eine volle Punktzahl allein in der Selbstversorgung reicht für 70 Punkte nicht, es braucht hohe Werte in mehreren Bereichen.

Ein Beispiel nach der Tabelle in Anlage 2 zu § 15 SGB XI: Mobilität 10 Punkte, geistige Fähigkeiten 7,5, Selbstversorgung 40, Umgang mit der Therapie 10 und Alltag 11,25 ergeben zusammen 78,75 Punkte. Eine Diagnose führt nicht automatisch zu Pflegegrad 4. Hilfsmittel werden einbezogen: Wer etwas mit dem Rollstuhl ohne fremde Hilfe schafft, gilt dabei als selbstständig. Für Kinder bis 18 Monate gilt Pflegegrad 4 schon ab 47,5 Punkten.

Unter 90 Punkten ist ausnahmsweise Pflegegrad 5 möglich, wenn beide Arme und beide Beine nicht mehr gebraucht werden können, etwa bei einer vollständigen Lähmung (§ 15 Abs. 4 SGB XI). Andere Ausnahmen kennen die Begutachtungs-Richtlinien nicht.

Leistungen bei Pflegegrad 4 im Jahr 2026

  • Pflegegeld: 800 Euro im Monat, wenn Angehörige oder andere Menschen pflegen (§ 37 SGB XI).
  • Pflegesachleistung für einen Pflegedienst: bis 1.859 Euro im Monat (§ 36 SGB XI). Bis zu 40 Prozent davon, also bis 743,60 Euro, lassen sich für anerkannte Alltagshilfen umwandeln.
  • Tages- und Nachtpflege: bis 1.685 Euro im Monat, zusätzlich zum Pflegegeld (§ 41 SGB XI).
  • Entlastungsbetrag: bis 131 Euro im Monat, ohne vorherigen Antrag gegen Belege (§ 45b SGB XI).
  • Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege: zusammen bis 3.539 Euro im Jahr, jeweils bis acht Wochen. In dieser Zeit laufen 400 Euro Pflegegeld weiter.
  • Pflegeheim: 1.855 Euro im Monat (§ 43 SGB XI) plus ein Zuschlag auf den pflegebedingten Eigenanteil von 15 Prozent im ersten Jahr bis 75 Prozent ab dem vierten Jahr (§ 43c SGB XI). Der pflegebedingte Eigenanteil ist im selben Heim für Pflegegrad 2 bis 5 gleich hoch.
  • Umbauten in der Wohnung bis 4.180 Euro je Maßnahme, Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bis 42 Euro im Monat, digitale Pflegeanwendungen bis 40 Euro plus 30 Euro Unterstützung, Wohngruppenzuschlag 224 Euro.

Pflegt ein Angehöriger Sie mindestens zehn Stunden in der Woche an zwei Tagen und arbeitet höchstens 30 Stunden, zahlt die Pflegekasse Rentenbeiträge. Bei reinem Pflegegeld ist die Bemessungsgrundlage 2026 bei Pflegegrad 4 2.768,50 Euro im Monat, mehr in Rente für pflegende Angehörige.

Der Beratungsbesuch seit 2026

Wer Pflegegeld bezieht, muss bei Pflegegrad 4 seit 1. Januar 2026 nur noch einmal im Halbjahr eine Beratung zu Hause abrufen (§ 37 Abs. 3 SGB XI). Bis Ende 2025 war das jedes Vierteljahr Pflicht. Ein Besuch im Vierteljahr ist weiter möglich, aber freiwillig. Bis Ende März 2027 kann jede zweite Beratung per Video stattfinden. Fehlt der Nachweis, kürzt die Pflegekasse das Pflegegeld.

Steuer: Pflegegrad 4 zählt wie Merkzeichen H

Bei der Einkommensteuer steht Pflegegrad 4 dem Merkzeichen H gleich (§ 65 Abs. 2 EStDV). Als Nachweis reicht der Bescheid der Pflegekasse, auch ohne festgestellten Grad der Behinderung. Daraus folgen:

  • ein Behinderten-Pauschbetrag von 7.400 Euro im Jahr (§ 33b Abs. 3 EStG)
  • eine Fahrtkostenpauschale von 4.500 Euro im Jahr (§ 33 Abs. 2a EStG)
  • für pflegende Angehörige ohne Bezahlung ein Pflege-Pauschbetrag von 1.800 Euro im Jahr (§ 33b Abs. 6 EStG)

Die Gleichstellung gilt nur für die Einkommensteuer. Für die Befreiung von der Kfz-Steuer oder die kostenlose Fahrt im Nahverkehr brauchen Sie einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen H, der Pflegebescheid ersetzt ihn dort nicht. Ist Ihr Kind betroffen, nimmt die Familienkasse bei Pflegegrad 4 an, dass die Behinderung die Ursache ist, mehr in Kindergeld bei Behinderung.

Krankenfahrten und Rollstuhl

Bei Pflegegrad 4 gelten Krankenfahrten zur ambulanten Behandlung als genehmigt (§ 60 Abs. 1 SGB V). Eine ärztliche Verordnung brauchen Sie trotzdem, den Pflegebescheid legen Sie dabei vor. Die Zuzahlung bleibt. Einen Elektrorollstuhl zahlt die Krankenkasse, unabhängig vom Pflegegrad (§ 33 SGB V). Schiebe- und Greifreifenrollstühle sind doppelfunktionale Hilfsmittel: Mit Pflegegrad können Sie sie bei der Kranken- oder der Pflegekasse beantragen, die Kassen teilen die Kosten intern. Ein Schieberollstuhl mit Sitzkantelung ist ein Pflegehilfsmittel der Pflegekasse. Wie das abläuft, steht in Der Weg zum Elektrorollstuhl.

Antrag, Höherstufung und Widerspruch

Den Antrag stellen Sie bei der Pflegekasse, auch telefonisch. Die Kasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, sonst zahlt sie 70 Euro für jede angefangene Woche (§ 18c SGB XI). Haben Sie schon Pflegegrad 3 und verschlechtert sich Ihr Zustand dauerhaft, beantragen Sie eine Höherstufung. Der höhere Grad gilt nach dem Rundschreiben der Pflegekassen ab dem Tag der Verschlechterung. Eine feste Frist für Überprüfungen gibt es nicht. Gegen einen Bescheid legen Sie innerhalb eines Monats Widerspruch ein (§ 84 SGG). Wird Ihr Pflegegrad herabgesetzt, hat der Widerspruch aufschiebende Wirkung (§ 86a SGG).

Was sich 2027 ändern soll

Nach dem Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vom 30. September 2026 bleibt die Schwelle für Pflegegrad 4 bei 70 Punkten. Die Umrechnung in der Mobilität, bei der Selbstversorgung und im Alltag soll aber strenger werden. Hätte die Person im Beispiel oben 37 Einzelpunkte in der Selbstversorgung, bekäme sie dafür nach dem Entwurf nur noch 30 statt 40 gewichtete Punkte. Sie käme dann auf 68,75 Punkte und läge bei Pflegegrad 3. Wer schon einen Pflegegrad hat, soll ihn nicht allein deshalb verlieren. Das Pflegegeld soll bei Pflegegrad 4 auf 890 Euro steigen, die Sachleistung auf 2.090 Euro. Beschlossen ist das nicht, Stand Oktober 2026. Alle Beträge zeigt Leistungen der Pflegeversicherung 2026.

Häufige Fragen

Stand: 4. November 2026 · REHAMED Redaktion.

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